Phrasendreschen als Marketingtrend

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Klartext

Es könnte so einfach sein: Ein Sender (Kommunikator) richtet eine Botschaft an einen Empfänger (Kommunikant), um eine Wirkung zu erzielen. Das nennt man Kommunikation. 

Soweit die Theorie.

In der Praxis wird indes die Unternehmenskommunikation in Deutschland immer schwülstiger. Denn damit auch die trivialste Meldung wichtig klingt, wird sie großzügig in „Buzzword-Soße“ mariniert. Vor einiger Zeit verblüffte ein großes deutsches Telekommunikations-Unternehmen mit einem nebulösen Statement seine Kunden:

„Wir steigern die Flexibilität und Wertschöpfung unserer Kunden durch unsere herausragenden Services in Informationstechnologie und Telekommunikation (ICT) auf nationaler und internationaler Ebene.“ 

Wow! Die Ergüsse eines einzelnen übereifrigen Linguistik-Akrobaten? Weit gefehlt. Die Pressemitteilungen zur CeBIT bergen so manches rhetorische Kleinod:

"Wir  liefern mit 'Financial Services Solutions für Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistungsunternehmen' sowohl End-to-End-Lösungen für die Konzeption und Einführung als auch Lösungen zur Verbesserung bereits bestehender kundenorientierter Prozesse in Marketing, Vertrieb und Customer Service." 

Nicht schlecht. Oder hier:

"Im Rahmen der (...)  hat XYZ die Erweiterung des on demand Lösungsportfolios für Business Partner angekündigt. Ziel der neuen Initiative ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Business Partner zu fördern und ein breitgefächertes on demand Angebot anzubieten."

Cool, was? So werden unsere Synapsen von gewaltigen Worthülsenfrüchten strapaziert. Die bizarre Mundart der IT-Gilde wird flankiert vom d-englischen Schwulst einiger Consultants und Marketingspezialisten. Kürzlich dozierte ein gut geföhnter Experte mit ernstem Blick beim Interview: 

 „Unser Ziel ist die Etablierung einer Line-Extension am Markt und Generierung von Brand Awareness durch Emotional Branding." 

Doch wer glaubt, nur schaumschlagende Kompetenz-Simulanten bedienen sich der akrobatischen Manager-Linguistik, der irrt. Auch gestandene Konzernlenker verstehen sich aufs geschliffene Wort, wie folgendes rhetorische Juwelchen belegt:

 „Auf der Basis von Blue Spirit, unserer Unternehmenskultur, sind vor wenigen Monaten die Initiativen Linking Knowledge und Solutions to Customers gestartet. Linking Knowledge ist Ihnen in Verbindung mit unserem Not Invented Here Award ein Begriff“. 

So parlierte der Vorstand eines deutschen Konzerns über ein Konzept zum Wissensaustausch. Welch wortgewaltiger Wirrsinn. Was waren das noch für Zeiten, als Kommunikation noch Verständigung war! Dazu fällt mir Günther Stein ein, ein herausragender Werbetexter der siebziger Jahre. Der sprach damals noch Klartext als er sagte:

„Es ist unmöglich, in der Werbung zu arbeiten und gleichzeitig die Intelligenz zu besitzen, die für diese Arbeit verlangt wird.“

 

 

Siehe auch: Wie man nicht verstanden wird und: Was wir von Steve Jobs lernen können.

 


Was können wir hier lernen?

 

Kommunikation ist das, was ankommt. Das impliziert, dass der Sender für die Wirkung der Kommunikation verantwortlich ist. Im vorliegenden Fall drängt sich der Eindruck auf, dass es weniger um Verständigung, als um egozentrierte Selbstdarstellung geht.

1. Denken Sie daran: Das Ziel von Kommunikation ist Verhaltensänderung. Fragen Sie sich bewusst, wie Ihre Aussage beschaffen sein muss, um dieses Ziel zu erreichen.

2. Reden Sie so, dass Sie verstanden werden. Ersparen Sie Ihrem Zuhörer oder Leser vermeidbare Fachtermini und Anglizismen.

3. Verzichten Sie auf "Buzzwords". Das sind phrasenhafte, um Anerkennung buhlende Begriffe, die modisch-inflationär benutzt werden.

4. Denken Sie daran, dass Mailings, Anzeigen oder Presseartikel oft mit niedriger Leseenergie aufgenommen werden. Beschränken Sie sich daher auf klare, anschauliche Sätze. Schachtelsätze und Fachchinesich sind hier unangebracht.

5. Kommunikation besteht, wie wir wissen aus der Inhaltsebene und der Gefühlsebene. Sprechen Sie nicht zu hirnlastig. Eine Aussage mag sachlich noch so überzeugend sein, wenn sie den Zuhörer überfordert oder sogar "dumm dastehen" lässt, wird sie kaum die erwünschte Wirkung erzielen.