Online Kampagne für Möchtegerns
Porsche und die Macht der Worte

„Yes we can“ - Das war gestern. In der aktuellen Onlinekampagne reduziert Porsche die schöpferische Kraft des Universums auf zwei dürre Worte: I Can.
„When you say those words the impossible becomes possible. Preconceived notions go out the window. At Porsche we know the power of „I Can“. It gives us hope and energy and motivation t o do what others, and maybe even we ourselves, didn‘t think was possible. Can you own a Porsche? Just say the words...“
Ein Drittel der Jahresproduktion des schwäbischen Autobauers steht in den Garagen amerikanischer Autoenthusiasten, um seinem Besitzer das Image des erfolgreichen Überfliegers zu verleihen. Nun spricht Porsche USA auch die weniger betuchten Käuferschichten an. Warum länger einen langweiligen Chrysler fahren? Wer die schlappen 80.000 USD für einen (nackten) Neunelfer nicht zur Hand hat, muss keineswegs auf das Zuffenhausener Sahneschnittchen verzichten: Mit der Kraft der Imagination materialisiert sich das Objekt der Begierde schon bald in der heimischen Hofeinfahrt. Zumindest in der Fantasie, denn auf der amerikanischen Porsche-Homepage wird der feuchte Traum des Möchtegern-Porschefahrer Dank Bildbearbeitungssoftware Wirklichkeit.
„Stell Dir einen Porsche in die Einfahrt! Nutze Deine Vorstellungskraft und unser Imagingtool, und du bekommst den Porsche deiner Träume.“
Und tatsächlich: Einfach ein Foto der heimischen Hofeinfahrt hochladen, und den persönlichen Favoriten aus der Zuffenhausener Modellpalette darin platzieren. Ein bisschen Feinschliff et voilà – der Traum vom eigenen Porsche ist wahr. Das fotorealistische Composing treibt jedem Porsche-Fan die Freudentränen ins Gesicht. Der Autor dieser Zeilen hat es selbst probiert. Das kraftstrotzende Renommierstück lässt sich zur täglichen Motivation als Bildschirmhintergrund speichern oder per Mail an Freunde versenden. Damit kann man zwar nicht fahren, aber angucken und angeben. Das nenne ich „Share of Mind“.
Das Imagingtool ist ein gelungener Gag für die Fangemeinde, der natürlich nur mit einer Marke mit angemessenem Kult-Potenzial funktioniert. Porsche kann sich das leisten. Apropos leisten: Hätte man das nur früher gewusst. Angesichts der missratenen Übernahme von Volkswagen und zehn Milliarden Euro Schulden hätte man Vorstand-Chef Wiedeking mit einem Klaps auf die Schulter zurufen können: „Can you own VW? Just say the words...“



